11. Familienkongress am 17./18.11.2012 in Halle/Saale

"Selbst vor Verkehrsgerichten ist der Anspruch an Sachverständige höher", sagt Werner Leitner von der Universität Köln. (SZ vom 14.02.2012)

Gutachten sind oft die Schlüssel der Entscheidungen für Familienrichter, da diese keine pädagogische oder psychologische Ausbildung haben. Sie verlassen sich auf Fachleute und geben ein Gutachten zu verschiedenen Sachfragen in Auftrag. Aber wer darf damit beauftragt werden? Verbindliche Standards dafür gibt es nicht, praktisch kann jeder ein Gutachten anfertigen, wenn ein Richter ihn dafür beauftragt. Weder Berufspraxis noch Berufsausbildung spielen eine Rolle. Das soll sich ändern, den eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Psychologie legt nun erste Ergebnisse von Qualitätsstandards für Gutachten vor.

Jährlich erleben rund 150.000 Kinder eine Trennung. Das Kind hat ein Recht auf beide Elternteile. Aber etwa 1.000.000 Kinder haben den Kontakt zu einem Elternteil verloren, obwohl sie sich liebevoll um ihre Kinder kümmerten. Richter beauftragen in Familienrechtsverfahren Gutachter. Dann werden die Eltern in "gut oder böse" eingeteilt, und so werden sie zu Gewinnern oder Verlierer. Mannigfache Erfahrungen haben Menschen mit den Folgen von schlechten Gutachten machen müssen, mit verheerenden Folgen für die Beziehung zum Kind. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie und der Bund Deutscher Psychologinnen und Psychologen diskutieren derzeit über eine Qualitätssicherung von Gutachten. Namenhafte Referenten reflektieren und diskutieren mit den Tagungsteilnehmern ihre Erfahrungen und erarbeiten in Gruppen Thesen zur Sicherung von Gutachten.

Das Besondere der Familienkongresse war es, die Fachwelt mit den Betroffenen in ein sachliches Gespräch zu bringen. So konnte das Verständnis füreinander auf beiden Seiten wachsen. Manche Themen schoben sogar maßgelblich Entwicklungen in Deutschland an. Die Cochemer Praxis ist heute in aller Munde, welche auf dem 2. Familienkongress erstmalig deutschlandweit vorgestellt wurde. Auch das Modell einer Männerabteilung in Österreich ist heute Realität. Es gibt im BMFSFJ ein Referat für Jungen- und Männerfragen.

Persönliche Erfahrungen mit Gutachten
Mitglieder des Vereins äußern sich zum diesjährigen Thema des 11. Familienkongresses in Halle Saale. Die Erfahrungen vieler Väter zeigen deutlich: Es fehlt an Qualitätsstandards für Gutachten und Gutachter.

Leitender Arzt:
Die Gutachter haben bisher keine gute Rolle gespielt. Sie sollten bisher lediglich die vom Gericht vorgegebenen Entscheidungen fest zementieren, eine andere Rolle haben sie nicht. [mehr]

Steffen:
Ein faires Gutachten geht meines Erachtens von Anfang an davon aus, dass Väter ebenso gut für die Erziehung und Betreuung ihres Kindes geeignet sind wie Mütter. [mehr]

Ingo: 
Das vorgelegte Gutachten wurde von zwei Gegengutachtern jeweils als "willkürlich", "vollkommen unwissenschaftlich" und somit unbrauchbar eingestuft. [mehr]

Burkhard:
Ich habe von Dr. Leitner eine Beurteilung dieses Gutachtens vornehmen lassen. Nur durch dieses „Gegengutachten“ hat das OLG erkannt, wie unqualifiziert und vor allem einseitig das Gutachten erstellt war. [mehr]

Gutachterkritik in den Medien 

ZDFzoom: Kampf ums Kind [mehr

ARD plusminus [mehr]

Frankfurter Allgemeine: Da ist schlechter Rat teuer [mehr]

Die Welt: Warum bayerische Richter immer wieder denselben Gutachter bestellten [mehr]

Die KiMiss-Studie [mehr]