voraussichtlich: 14./15. November 2020

Vorankündigung

Familienkongress Halle
14. und 15. November 2020

Bindungstoleranz, Erziehungsfähigkeit und Kindeswohl

Eine Herausforderung für Trennungseltern und Fachkräfte

Zum Kongress-Thema

„Ich trenne mich, weil ich mit dem anderen nicht mehr leben kann, ihn nicht mehr sehen will und soll nun das Liebste und Wertvollste was ich habe, mein Kind, mit ihm erziehen? Wie soll das gehen?

Das Scheidungsparadox stellt alle Beteiligten vor zunächst unlösbare Fragen in einer oft tiefen Lebenskrise. Trennung und Scheidung stellen Lebensentwürfe in Frage, zerstören Erwartungen und Hoffnungen auf ein zukünftiges Familienleben und führen in eine ungewisse Zukunft.

Je jünger Kinder sind, um so mehr sind sie auf sichere Bindungen zu empathisch sorgenden Eltern angewiesen. Liebende Eltern können sich mit Engagement für ihre Kinder einsetzen, ergänzen sich kooperativ und schaffen so ein Familienklima, in dem Kinder gut aufwachsen können.

Sie freuen sich über die gute Bindung, die ihr Kind zum anderen Elternteil hat, sie schätzen es, dadurch entlastet zu werden und – trotz ihrer Kinder – eigene Freiräume genießen zu können.  Kinder lieben in der Regel beide Eltern, schätzen deren Zuwendung und Aufmerksamkeit und entwickeln oft schon früh spezifische Neigungen zu Mutter und Vater; er liebt Musik, sie treibt Sport und beide zusammen gehen gerne ins Kino. So erhält ihr Kind vielfältige Anregungen zu seiner Entwicklung.

Manche Kinder erfahren nie ein solches Familienleben, da ihre Eltern sich schon während der Schwangerschaft getrennt haben, andere erfahren plötzlich, dass alles zerbricht, weil sich die Eltern trennen und manche erleben eine lange Ambivalenzphase, in der Streit und Trennungsdrohungen den Alltag bestimmen bis einer auszieht.

Vor, während und nach der Trennung brauchen Trennungskinder zugewandte, empathische Unterstützung von beiden Eltern, um mit ihrer neuen Familiensituation leben zu lernen. Sie brauchen Verständnis für Trauer und Wut, für Hilflosigkeit und Fluchtfantasien, Wiedervereinigungswünsche und der Angst vor dem Alleinsein. Das sind hohe Anforderungen an ihre Eltern, die sich selbst mit der Trennung neu organisieren müssen.

  • Reicht die Liebe zum Kind, um das Trennungsparadox zu überwinden?
  • Reicht sie, um mit dem anderen Elternteil – das nicht mehr Partner ist – zu kooperieren?
  • Reicht die Erziehungsfähigkeit aus, um dem Trennungskind einen Loyalitätskonflikt zu ersparen?
  • Bekomme ich mit, dass mein Kind "parentifiziert" ist und gar „mir zuliebe“ nicht mehr zum anderen Elternteil geht?

Wir fragen, welchen institutionellen Rat und welche Unterstützung, ggf. familienrechtlichen Entscheidungen, Kinder brauchen, damit sie mit beiden Eltern aufwachsen können.